Elnaz Seyedi
Seyedi studierte von 2000 bis 2005 das Fach Informatik an der Azad-Universität ihrer Heimatstadt. Von 2007 bis 2014 studierte sie an der Hochschule für Künste Bremen bei Younghi Pagh-Paan, Jörg Birkenkötter und Kilian Schwoon Komposition. Bei Günter Steinke schloss sich von 2014 bis 2017 ein Masterstudium an der Folkwang Universität der Künste Essen an. Zudem studierte sie bei Caspar Johannes Walter an der Musik-Akademie Basel und bei Michael Reudenbach an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
In Seyedis Schaffen finden sich Einflüsse von Literatur, Architektur oder bildender Kunst sowie von ihrem Informatikstudium. Zahlreiche ihrer Werke entstanden aus spartenübergreifenden Kooperationen. Aus der Zusammenarbeit mit der Lyrikerin Anja Kampmann ging ihr 2023 bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführtes Stück „Dunst – als käme alles zurück“ für 2 Stimmen und Ensemble hervor. Seyedi sucht mit ihrer Musik „Verbindungen zu verschiedenen Kunstformen, zur Philosophie und zur Kultur ihrer Heimat Iran“. Zu dem Projekt“ Pythagorean Triple“ (2020), einer „mathematisch-akusmatischen Spurensuche“, aufgeführt in der Alten Feuerwache Köln, trug sie das Stück „2910“ (2019) für Harfe, Kontrabass und Schlagzeug bei. Das Thema „Hören mit Helmholtz“, ein interdisziplinäres Seminarprojekt zu Helmholtz’ Musikästhetik, durchgeführt von den Heidelberger Seminaren für Philosophie (Philipp Brüllmann) und für Musikwissenschaft (Christiane Wiesenfeldt, ist der Kontext, in dem ihr Werk „witnessing… – aushalten“ (2024) entstand. Für die „Jugend komponiert“ arbeitete sie 2024 in einer Kompositionswerkstatt als Dozentin mit. Mehrfach kooperierte sie mit dem iranischen Komponisten Ehsan Khatibi. Der Einsatz von Licht als kompositorischem Mittel prägte bereits ihre 2020 für das Nationaltheater Mannheim entstandene Kollektivkomposition zu Albert Camus‘ „Der Fremde“ und er wurde auch ein wesentlicher Faktor für „PS: and the trees will ask the wind“ (2020) für Paetzoldflöte, Violine, Objekte, Audio- und Videozuspielung, das in einer überarbeiteten Version von 2023 eine Bassflöte anstatt der Paetzoldflöte vorsieht. Zu der Bespielung des Deutschen Pavillons auf der Biennale di Venezia 2019 durch die Installationskünstlerin Natascha Sadr Haghighian steuerte Seyedi die elektronische Klanginstallation „awakening“ bei. Seyedi arbeitete an Sound Moving Sources mit, einem zweijährigen Projekt zur künstlerischen Forschung am Institut für Computermusik und Soundtechnologie der Zürcher Hochschule der Künste (2021–2022). Untersucht wurden dabei „die Möglichkeiten, wie ein Lautsprecher sich im Raum bewegen kann, um im Zusammenspiel mit Musikern variable Klangräume zu etablieren.“
Seyedi erhielt zahlreiche Stipendien, darunter der Friedrich-Ebert-Stiftung (2011–2017) und des DAAD (2016). 2017 gewann sie den Kompositionswettbewerb Phoenix Trabant in Basel und erhielt das Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium der Stadt Köln. 2018/19 war sie Stipendiatin der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA) in Frankfurt.
Ihre Werke wurden bei zahlreichen internationalen Festivals und Konzertreihen für Neue Musik aufgeführt, darunter Wittener Tage für Neue Kammermusik, Ultraschall Berlin, Gaudeamus Muziekweek, Impuls Graz und das Huddersfield Contemporary Music Festival.
