Elif

Elif

Ursprünglich 2003 für Hafız und Kammerensemble komponiert und im Rahmen des Istanbuler Festivals der Spectral Music Conference 2003 mit gemischtem Ensemble unter der Leitung von Michael Ellison uraufgeführt, ist Elif dem renommierten Hafız Kâni Karaca gewidmet, der als einer der größten Makam-Sänger der Moderne gilt. Die erste Instrumentalfassung entstand 2016 und wurde am 7. April 2016 in Grenoble, Frankreich, im Rahmen von Detours de Babel uraufgeführt. Der Titel Elif bezieht sich auf den ersten Buchstaben des arabischen Alphabets. In der islamischen Mystik ist der gesamte Koran, ja die gesamte Existenz der Welt, im ersten Buchstaben des Alphabets enthalten (siehe Yunus Emres Gedicht „Ilim Ilim“). Das Stück ist in sechs Abschnitte unterteilt, von denen jeder einem bestimmten Makam gewidmet ist und über eigenes motivisches Material verfügt. Während das Originalwerk Kaside (vokale Improvisationen Karacas, basierend auf Texten zu Ehren des Propheten Mohammed) zuließ, ist die Abfolge der Makams und ihrer Begleittexturen festgelegt und bildet eine unveränderliche Gesamtstruktur, obwohl die meisten Elemente innerhalb der Abschnitte flexibel und aleatorisch sind. In der Instrumentalfassung wird die Kaside zu einer Folge von Makams, in der Yaylı Tanbur, Kemençe und andere Instrumente improvisieren können. Strengere, heterophone „T“-Abschnitte verbinden die Hauptabschnitte, und die Musiker müssen sich auf die Übergangspunkte zu jedem folgenden Abschnitt einigen. Bei der Uraufführung 2003, da Karaca (bekanntermaßen) blind war, folgte der Dirigent dem Solisten (rein durch Zuhören) anstatt umgekehrt. Er gab zudem Hinweise auf die Wechsel und förderte die Entwicklung von Textur und Dynamik. Hier werden die Abschnitte von den Ausführenden selbst gesteuert und vorgegeben. Gleich zu Beginn geht es in dem Werk um Anfänge – zunächst ohne Ton außer Atem oder atemähnlichen Klängen der Instrumente, die sich erst langsam zu Ton und Klang verschmelzen. Um zu den türkischen Makam-Instrumenten zu passen, werden westliche Klänge absichtlich „dekonstruiert“. Das ursprüngliche Bild des Komponisten war, als wäre die Stimme von Karaca ein in der Wüste liegender Koran, über den zerfallender Sand hinwegfegt, als sich ständig verändernde Fragmente, die eine manchmal verschleierte, manchmal sichtbare, unveränderliche Wahrheit umgeben.